Bewegung

Beckenbodentraining: Warum es so wichtig ist und wie du richtig startest

Curabo Team25. Mai 2026
Beckenbodentraining: Warum es so wichtig ist und wie du richtig startest

Der Beckenboden ist eine der am häufigsten unterschätzten Muskelgruppen unseres Körpers. Er trägt unsere inneren Organe, steuert Blase und Darm und spielt eine zentrale Rolle bei Haltung, Atmung und sogar beim Sexualleben. Trotzdem widmen ihm die wenigsten Menschen Aufmerksamkeit – meistens erst dann, wenn Beschwerden wie Inkontinenz, Rückenschmerzen oder Beckenbodensenkung auftreten. In diesem Beitrag erfährst du, warum gezieltes Beckenbodentraining für Frauen und Männer in jedem Alter sinnvoll ist, wann du professionelle Unterstützung brauchst und wie du die passende Therapeutin oder den passenden Therapeuten findest.

Was ist der Beckenboden eigentlich?

Der Beckenboden besteht aus drei übereinanderliegenden Muskelschichten, die das Becken nach unten hin abschließen. Er reicht vom Schambein bis zum Steißbein und seitlich zu den Sitzbeinhöckern. Seine wichtigsten Aufgaben:

  • Tragen der Bauch- und Beckenorgane (Blase, Darm, Gebärmutter)
  • Verschließen von Harnröhre und Darmausgang
  • Anpassen an Druckveränderungen beim Husten, Niesen, Heben oder Lachen
  • Stabilisieren der gesamten Rumpfmuskulatur gemeinsam mit Zwerchfell und tiefen Bauchmuskeln

Ein gut funktionierender Beckenboden arbeitet meist unbewusst – er reagiert reflexartig auf Belastungen. Probleme entstehen, wenn diese Muskulatur entweder zu schwach oder zu verspannt ist.

Wer profitiert von Beckenbodentraining?

Frauen während und nach der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft trägt der Beckenboden zusätzlich das Gewicht des Babys, und während der Geburt wird er stark gedehnt. Rückbildungsgymnastik nach der Geburt ist daher in Österreich ein etabliertes Angebot – sie hilft, die Muskulatur wieder aufzubauen und langfristigen Beschwerden vorzubeugen.

Frauen in den Wechseljahren

Der sinkende Östrogenspiegel führt zu einer Abnahme der Gewebeelastizität. Beckenbodentraining kann hier präventiv wirken und Beschwerden wie Belastungsinkontinenz oder ein Senkungsgefühl deutlich reduzieren.

Männer nach Prostataoperationen

Was viele nicht wissen: Auch Männer haben einen Beckenboden – und nach einer Prostatektomie ist gezieltes Training oft entscheidend, um die Kontinenz wiederzuerlangen.

Sportlerinnen und Sportler

Hochintensive Sportarten wie CrossFit, Laufen oder Trampolinspringen belasten den Beckenboden stark. Auch hier kann Training helfen, Beschwerden vorzubeugen und die Leistung zu verbessern.

Menschen mit chronischen Rückenschmerzen

Da der Beckenboden Teil der tiefen Rumpfstabilisation ist, hängt seine Funktion eng mit der Stabilität der Lendenwirbelsäule zusammen. Wer chronische Rückenschmerzen hat, profitiert oft von einem ganzheitlichen Trainingsansatz, der den Beckenboden einbezieht.

Typische Symptome eines geschwächten Beckenbodens

Viele Betroffene zögern, ihre Beschwerden anzusprechen, weil das Thema noch immer mit Scham behaftet ist. Dabei sind die Symptome häufiger, als man denkt:

  • Ungewollter Harnverlust beim Husten, Lachen, Niesen oder Sport
  • Häufiger Harndrang oder Nachträufeln
  • Druck- oder Fremdkörpergefühl im Vaginalbereich (Senkungsgefühl)
  • Chronische Kreuz- oder Beckenschmerzen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Verstopfung oder unvollständige Darmentleerung

Wichtig: Ein verspannter Beckenboden („hypertoner Beckenboden") kann ähnliche Beschwerden verursachen wie ein zu schwacher. Deshalb ist eine professionelle Untersuchung vor dem Trainingsstart so wichtig – nicht jede:r braucht „mehr Anspannung".

Wie läuft eine Beckenbodentherapie ab?

Beckenbodentherapie wird in Österreich überwiegend von spezialisierten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten durchgeführt. Der erste Termin umfasst meist:

1. Anamnese

Du wirst zu deinen Beschwerden, deiner medizinischen Vorgeschichte, Geburten, Operationen, Sportgewohnheiten und Alltagsbelastungen befragt. Diese Phase ist entscheidend, damit das Training individuell angepasst wird.

2. Untersuchung

Je nach Therapeut:in und deinem Einverständnis kann die Beckenbodenfunktion durch Beobachtung, tastenden Befund oder Biofeedback-Geräte beurteilt werden. Du entscheidest, was für dich in Ordnung ist – seriöse Therapeut:innen kommunizieren das transparent.

3. Individueller Trainingsplan

Du lernst, deinen Beckenboden bewusst wahrzunehmen, gezielt anzuspannen und – genauso wichtig – wieder loszulassen. Übungen werden mit Atmung, Haltung und alltäglichen Bewegungen kombiniert.

4. Verlaufskontrolle

Eine Therapieserie umfasst typischerweise 5–10 Einheiten, danach folgt eigenständiges Üben. Viele Krankenkassen in Österreich übernehmen einen Teil der Kosten bei ärztlicher Verordnung.

Übungen, die du sofort ausprobieren kannst

Bevor du zur Therapie gehst, kannst du erste Wahrnehmungsübungen versuchen. Wichtig: Wenn etwas Schmerzen verursacht oder unangenehm wird, brich ab und besprich es mit einer Fachperson.

Wahrnehmungsübung im Sitzen

Setze dich aufrecht auf einen festen Stuhl und spüre deine Sitzbeinhöcker. Stell dir vor, du würdest sanft den Harnstrahl anhalten – ganz subtil, ohne Bauch, Po oder Oberschenkel anzuspannen. Halte die Spannung etwa drei Sekunden, lasse dann bewusst wieder los. Wiederhole das 8–10 Mal.

Atemkoordination

Lege dich auf den Rücken, Knie angewinkelt. Beim Ausatmen aktivierst du sanft den Beckenboden, beim Einatmen lässt du ihn vollständig los. Diese Koordination ist die Basis für jedes weiterführende Training.

Was du beim Üben unbedingt vermeiden solltest

  • Pressatmung: Niemals beim Anspannen die Luft anhalten und nach unten pressen.
  • Mitspannen anderer Muskeln: Po, Bauch oder Oberschenkel sollten ruhig bleiben.
  • Übertreiben: Mehrere kurze Übungseinheiten täglich sind besser als ein 30-Minuten-Marathon.
  • Pauschal-Übungen aus dem Internet: Was bei der einen Person hilft, kann bei der anderen die Beschwerden verstärken.

Wann solltest du dir professionelle Unterstützung holen?

Suche dir eine spezialisierte Physiotherapeutin oder einen spezialisierten Physiotherapeuten, wenn:

  • du nach der Geburt Beschwerden hast oder Rückbildung machen möchtest
  • du regelmäßig ungewollt Harn verlierst
  • du ein Senkungsgefühl bemerkst
  • du Schmerzen im Beckenbereich oder beim Geschlechtsverkehr hast
  • du nach einer Operation im Beckenbereich Unterstützung brauchst
  • du Sport machst, der den Beckenboden stark belastet

Auf Curabo findest du in ganz Österreich gezielt Therapeutinnen und Therapeuten mit Schwerpunkt Beckenbodentherapie. Du kannst nach Standort, Kassenleistung oder Spezialisierung filtern und Termine unkompliziert anfragen.

Beckenbodentraining ist Selbstfürsorge

Über den Beckenboden zu sprechen, ist immer noch nicht selbstverständlich – obwohl Millionen Menschen weltweit von entsprechenden Beschwerden betroffen sind. Die gute Nachricht: Studien zeigen, dass gezieltes Beckenbodentraining bei Belastungsinkontinenz in bis zu 70 % der Fälle eine deutliche Besserung bringen kann – oft ohne Operation und Medikamente.

Es lohnt sich also, dem Beckenboden Aufmerksamkeit zu schenken – nicht erst, wenn Probleme da sind, sondern auch präventiv.

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