Physiotherapie

Kassenphysiotherapie in Österreich: Alles, was du wissen musst

Curabo Team6. April 2026
Kassenphysiotherapie in Österreich: Alles, was du wissen musst

Du brauchst Physiotherapie, willst aber nicht alles aus eigener Tasche zahlen? In ganz Österreich gibt es Kassenphysiotherapeuten, bei denen die Behandlung großteils von der Krankenkasse übernommen wird. Doch der Weg dorthin ist nicht immer einfach: Verordnung, Bewilligung, Wartezeiten — es gibt einiges zu beachten. In diesem Ratgeber erklären wir dir Schritt für Schritt, wie du zur Kassenphysiotherapie kommst, welche Kosten auf dich zukommen und welche Alternativen es gibt.

Was ist Kassenphysiotherapie?

Kassenphysiotherapie bedeutet, dass ein Physiotherapeut einen Vertrag mit einer gesetzlichen Krankenkasse hat. Die Behandlungskosten werden direkt zwischen Therapeut und Kasse abgerechnet — du zahlst nur einen geringen Selbstbehalt oder gar nichts. In Österreich sind die wichtigsten Kassen:

  • ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse) — für Angestellte und Arbeiter
  • SVS (Sozialversicherung der Selbständigen) — für Selbständige und Landwirte
  • BVAEB (Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter) — für Beamte und Eisenbahner

Der große Vorteil: Du sparst dir die hohen Kosten einer Privatbehandlung, die in Österreich zwischen 60 und 120 Euro pro Sitzung liegen kann.

Wie bekomme ich eine Verordnung für Physiotherapie?

Bevor du einen Kassenphysiotherapeuten aufsuchen kannst, brauchst du eine ärztliche Verordnung (auch Überweisung oder Zuweisung genannt). Darauf müssen folgende Angaben stehen:

  • Diagnose (ICD-Code)
  • Art der Therapie (z. B. Einzelheilgymnastik, manuelle Therapie)
  • Anzahl der Einheiten (meistens 10 Sitzungen pro Verordnung)
  • Häufigkeit (z. B. 2× pro Woche)

Die Verordnung kann von deinem Hausarzt, Orthopäden, Unfallchirurgen oder jedem anderen Facharzt ausgestellt werden. Wichtig: Lass dir die Verordnung möglichst genau ausfüllen — fehlerhafte oder unvollständige Verordnungen können von der Kasse abgelehnt werden.

Schritt-für-Schritt: So kommst du zur Kassenphysiotherapie

Hier ist dein praktischer Leitfaden, um möglichst schnell und unkompliziert zur Kassenphysiotherapie zu kommen:

  1. Arztbesuch vereinbaren: Geh zu deinem Hausarzt oder einem Facharzt und schildere deine Beschwerden. Bei orthopädischen Problemen empfiehlt sich ein Orthopäde, bei Sportverletzungen ein Unfallchirurg.

  2. Verordnung ausstellen lassen: Bitte den Arzt um eine Verordnung für Physiotherapie. Achte darauf, dass Diagnose, Therapieart und Anzahl der Einheiten korrekt eingetragen sind.

  3. Bewilligung bei der Kasse einholen: Bei der ÖGK ist in den meisten Fällen keine Vorab-Bewilligung mehr nötig — die Verordnung genügt. Bei der BVAEB ist die Bewilligungspflicht ebenfalls gefallen; nur die SVS verlangt weiterhin eine chefärztliche Bewilligung. Kläre das am besten vorab mit deiner Kasse oder dem gewünschten Therapeuten.

  4. Kassenphysiotherapeuten suchen: Finde einen Physiotherapeuten in deiner Nähe, der einen Kassenvertrag mit deiner Kasse hat. Nicht jeder Kassentherapeut hat mit jeder Kasse einen Vertrag — prüfe das unbedingt vorher.

  5. Termin vereinbaren: Ruf frühzeitig an oder buche online. Bei beliebten Kassenpraxen kann die Wartezeit mehrere Wochen betragen.

  6. Behandlung starten: Bring zur ersten Sitzung deine Verordnung, deine e-card und gegebenenfalls die Bewilligung der Kasse mit.

  7. Folgeverordnung bei Bedarf: Wenn weitere Therapie nötig ist, brauchst du eine neue Verordnung von deinem Arzt.

Wartezeiten: Wie lange muss ich auf einen Termin warten?

Das ist leider der größte Nachteil der Kassenphysiotherapie: Die Wartezeiten sind oft lang. Je nach Region und Therapeut musst du mit 4 bis 12 Wochen Wartezeit rechnen — in Ballungsräumen wie Wien teils noch länger.

Tipps für schnellere Termine

  • Flexibel sein: Vormittagstermine und Randzeiten (früh morgens oder spät nachmittags) sind oft leichter verfügbar.
  • Mehrere Therapeuten kontaktieren: Rufe nicht nur einen, sondern gleich drei bis fünf Kassentherapeuten an.
  • Warteliste nutzen: Lass dich auf die Warteliste setzen — durch Absagen werden oft kurzfristig Termine frei.
  • Bezirk erweitern: Suche auch in Nachbarbezirken. Manchmal ist ein Therapeut im 15. Bezirk schneller verfügbar als einer im 6.
  • Institutsambulanzen prüfen: Krankenhäuser wie das AKH, das SMZ Ost oder das Hanusch-Krankenhaus bieten ebenfalls Kassenphysiotherapie an.
  • Neueröffnete Praxen: Therapeuten, die kürzlich einen Kassenvertrag bekommen haben, haben oft noch kürzere Wartezeiten.

Wahlphysiotherapeut vs. Kassenphysiotherapeut

Wenn die Wartezeit zu lang ist, kannst du jederzeit einen Wahlphysiotherapeuten (Privattherapeut) aufsuchen. Hier die wichtigsten Unterschiede:

KriteriumKassenphysiotherapeutWahlphysiotherapeut
Kosten für dichGering bis kostenlos60–120 € pro Sitzung
Wartezeit4–12 WochenMeist innerhalb weniger Tage
Sitzungsdauer25–30 Minuten45–60 Minuten
TherapieauswahlStandardleistungenBreiteres Angebot
TerminflexibilitätEingeschränktSehr flexibel
KostenerstattungDirekte AbrechnungTeilerstattung möglich

Kostenerstattung bei Wahltherapeuten

Auch wenn du zu einem Wahlphysiotherapeuten gehst, kannst du einen Teil der Kosten zurückbekommen. So funktioniert es:

  1. Verordnung vom Arzt besorgen (gleicher Ablauf wie bei Kassentherapie).
  2. Behandlung bezahlen und eine Honorarnote vom Therapeuten verlangen.
  3. Honorarnote + Verordnung + Zahlungsbestätigung bei deiner Krankenkasse einreichen — online oder per Post.
  4. Die Kasse erstattet dir den Kassentarif zurück. Das entspricht in der Regel etwa 40 bis 80 Prozent des Kassensatzes (nicht des tatsächlich bezahlten Betrags).

In der Praxis bedeutet das: Bei einer Sitzung um 90 Euro bekommst du je nach Kasse etwa 15 bis 30 Euro zurück. Die Erstattung ist also spürbar geringer als die tatsächlichen Kosten — aber besser als nichts.

Wie hoch sind die Kassensätze?

Die Kassensätze für Physiotherapie variieren je nach Kasse und Behandlungsart. Richtwerte für eine Einzelbehandlung (30 Minuten):

  • ÖGK: ca. 28–35 €
  • SVS: ca. 30–40 €
  • BVAEB: ca. 32–42 €

Davon werden bei Wahltherapeuten je nach Kasse 80 Prozent des Kassensatzes erstattet.

Wann lohnt sich ein Wahltherapeut trotzdem?

Ein Wahlphysiotherapeut kann sinnvoll sein, wenn:

  • Du schnell einen Termin brauchst (z. B. nach einer Operation)
  • Du längere Sitzungen bevorzugst (45–60 statt 25–30 Minuten)
  • Du spezielle Behandlungsmethoden benötigst (z. B. Faszientherapie, Dry Needling)
  • Du flexible Terminzeiten brauchst (Abend, Wochenende)
  • Du einen Therapeuten mit bestimmter Spezialisierung suchst

Physiotherapeuten finden — mit und ohne Kassenvertrag

Egal ob du einen Kassenphysiotherapeuten oder einen Wahltherapeuten suchst: Die Suche nach dem richtigen Therapeuten kann zeitaufwändig sein. Auf Curabo kannst du Physiotherapeuten in ganz Österreich nach Standort, Verfügbarkeit und Spezialisierung filtern und direkt einen Termin anfragen. So findest du schnell den passenden Therapeuten in deiner Nähe — unkompliziert und übersichtlich.


Haftungshinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Die genannten Kassensätze und Regelungen können sich ändern. Bei konkreten Fragen zu Kostenübernahme und Bewilligung wende dich bitte direkt an deine Krankenkasse. Stand: März 2026.

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